Berühmte Uhrmacher der Geschichte:

Georg Roll (1546-1592)


Georg Roll wurde 1546 in Liegnitz (Schlesien) geboren und lernte den Handel mit Uhren von seinen Eltern. Er wanderte quer durch Europa und nahm überall Arbeit an, wo er sie fand. 1565 oder 1566 kam er nach Friedberg (Bayern), gerade außerhalb des Einflußbereichs von Augsburg, wo er einen Laden eröffnete, Arbeiter einstellte und Uhren herstellte und auch verkaufte. Das jedoch widersprach den gängigen Zunftsregeln, auch außerhalb der Gerichtsbarkeit von Augsburg, wo nur ein verheirateter Mann einen Laden eröffnen und Lehrlinge ausbilden durfte - und Roll war ledig! Wie konnte man damals auch junge Lehrlinge in die Obhut eines unverheitateten Mannes geben? Seine Firma wurde jedoch toleriert, weil er Arbeiten zu den Meistern der Stadt brachte und für sie Sachen verkaufte. So konnte er sich auch vor dem bayrischen Hof in München behaupten, was ihm Profit und Schutz einbrachte. Und Schutz war damals nötig, denn die Uhrmacher von Augsburg mißgönnten Roll als Außenseiter den Erfolg, und umso mehr, als Roll versuchte, seine Waren auch in Augsburg selbst zu verkaufen. Und um alles noch schlimmer zu machen, heuerte er sogar deren eigene Handelsvertreter an, was als Konsequenz die Verbannung aus der Stadt mit sich brachte, wo er nie wieder arbeiten durfte. Wütend auf Roll wiegelten sie ihre Lehrlinge und Arbeiter gegen ihn auf, beschuldigten ihn für alles mögliche und mobbten ihn, wo es nur ging. So fuhren sie ihn aus der Stadt weit hinaus, als er zur Hochzeit der Tochter des Schlossers Thomas Geiger wollte. Nichts war ihnen heilig genug, um es nicht gegen Roll zu benutzen.

So kehrte Roll zurück nach Friedberg und suchte dort Hilfe. Friedberg fragte Augsburg um Nachsicht, in Augsburg führte man jedoch nun auf, daß Georg Roll doch ledig sei und drückte seine Sorge aus, daß eine solche Person kein passender Lehrer für junge Lehrlings sei und daß man den Frieden zudem nicht stören wolle - denn Roll würde ja gegen verbreitete Moralvorstellungen verstoßen. Weitere Briefe gingen nach Ulm, Nürnberg und Breslau, um nachzufragen, wie dort die Arbeitserlaubnis von Ledigen gehandhabt wird. Ulm antwortete schließlich, daß es dort ledigen Männern durchaus erlaubt sei, einen Laden zu eröffnen. Doch das reichte Augsburg nicht aus, das nach wie vor darauf pochte, daß Roll ein unerwünschter Zeitgenosse, Querulant und Betrüger sei. So wandte sich die Stadt Friedberg an Herzog Albrecht von Bayern, der Roll seinen persönlichen Schutz garantierte, da er für den Hof arbeitete. Und obwohl sich Augsburg weiter querstellte, war Friedberg die größere Stadt und Teil von Bayern, wo die Zuständigkeit von Ausgburg endete. Die Lösung war schließlich, daß Roll sich verpflichten sollte, für den bayrischen Hof zu arbeiten - ein Versprechen, dem er mehr oder weniger mehrere Jahre lang nachging. Aber 1575-76 jedoch fuhr er durch Südeuropa, nach Rom und Neapel, mit einer Truhe voller Uhren und Taschenuhren im Wert von etwa 5000 Gulden. Nach seiner Rückkehr nach Friedberg erfuhr er, daß die Behörden von Augsburg einigen seiner früheren Arbeiter verbot, weiterhin zu arbeiten, worauf Roll empfindlich reagierte, er wollte Augsbur von innen heraus strafen und schlagen! 1578 beantragte er die Bürgerschaft in Augsburg und fragte nach dem Recht, einen Laden eröffnen zu dürfen - nur keinen Uhrenladen, sondern eine Krämerei, einen Kaufmannsladen. Herzog Albrecht und die Stadt Friedberg unterstützen seinen Antrag, und die Uhrmacher von Augsburg stimmten dem schließlich unter der Bedingung zu, daß Georg Roll keinerlei Uhren, welcher Art auch immer, verkaufen dürfe. So wurde seine Einbürgerung in Augsburg vollzogen und Roll besorgte sich ein Haus und einen Laden und heiratete schließlich die Tochter des Bürgermeisters. Aber nach einigen Monaten verdächtigten die hiesigen Uhrmacher, daß Roll abermals Uhren verkaufen würde. Sie fügten hinzu, daß die Zeiten ja schlecht seien und Roll ihnen damit das Brot aus dem Mund klauen würde. Roll entgegnete, daß er doch nur die Arbeit der anderen Uhrmacher verkaufen würde, die sie selbst nicht richtig an den Mann bringen könnten, er helfe denen doch nur! Viele dieser Uhren gingen auch an Kunden außerhalb von Augsburg! Die Diskussion ging über die Jahre hinweg hin und her, aber ohne eine Lösung in Sicht. Und solange es hierzu keine Lösung gab, ging Roll seinen gewollten Geschäften nach.

Georg Roll war ein vielseitiger Mann, voller Ideen und Überraschungen. So betrieb er mit der Erlaubnis des Kaisers eine Glücksspiel-Lotterie (Glückshafen), natürlich mit Uhren unter den Preisen. Das nahm auch etwas vom Druck auf seinen Krämerei-Laden, wo er ja nun seine Uhren zeigen durfte, wenn auch unter dem Vorwand, daß sie Preise seien. Auch stellte er einen sehr begabten Mechaniker ein und begann mit der Herstellung erstklassiger Uhren-Globen, die er an den Hof verkaufte. Und damit ließ er auch seine alte Beziehung zum Hof Bayerns neu aufleben, jedoch mit gemischtem Erfolg. Einen großen Fehler machte er als Beispiel, als er zwei dieser Globen an Rudolf II. und dessen Bruder verkaufte. Dem Bruder Rudolfs II. machte er dabei einen höheren Preis, 1500 Thaler im Gegensatz zu 1200 Thalern für Rudolf selbst - wohl mit dem Gedanken, Rudolf II. damit einen Gefallen zu tun. Aber Roll verstand dabei nur wenig von den königlichen Gepflogenheiten, denn Rudolf II. sah in dem Preisunterschied, daß er wohl den schlechteren der beiden Globen bekommen haben muß! Woher sonst sollte ein solcher Preisunterschied auch sonst herkommen! Roll versuchte sich herauszureden, daß er ihm doch nur einen Gefallen tun wollte - aber dieses Argument war ebenso gefährlich, denn in dem Fall würde Roll ja Rudolfs Bruder mit einem überhöhten Preis betrügen wollen! Herrscher sind offensichtlich keine normalen Kunden, wie Roll daraus lernen mußte. Sie denken nicht nur anders, sie leben in ihrer eigenen Welt. So ließ Rudolf II. Georg Roll in das Gefängnis von Augsburg wegen Majestätsbeleidigung (bzw. Hochverrats - "lése-majesté") werfen, wo er wochenlang auf seiner Unschuld beharrte und bat wenigstens, die Mißgunst von seinen Angestellten zu nehmen, wenn schon nicht von ihm selbst. Dem stimmte Rudolf zu, mit der Auflage, daß Roll in Zukunft besser auf Höhergestellte hören solle. Und so war es, in den folgenden Jahren verkaufte Roll Rudolf einige äußerst teure und außergewöhnliche Stücke, und den anderen Adligen zu etwas niedrigeren Preisen etwas weniger gute Stücke. Der Streit mit den Ausgburger Uhrmachern kam jedoch immer wieder zur Sprache, verebbte aber auch zeitweise immer wieder. Nach den ganzen Anstrengungen der Augsburger Uhrmacher, Roll entweder zu unterstützen oder auch zu bekämpfen, profitierte einige auch Rolls Firma, so Johann Reinhold, Mechaniker für Rolls Uhren-Globen, dann Hans Marquart, der die Mechanik zusammenbaute und durch ein Planetarium vollendete neben vielen weiteren leider unbekannten Arbeitern, die Roll halfen, seine Stücke bis nach Italien zu verkaufen. Einige Stücke machte er natürlich in seinem eigenen Laden, den etwa 25 Arbeiter eher zu einer Manufaktur werden ließ.

In der Blüte seines geschäftlichen Erfolges starb Georg Roll schließlich im Jahr 1592, sehr wahrscheinlich an den Folgen der Pest, als 64-jähriger Mann und hinterließ eine Frau und 5 Kinder. Vier Jahre später heiratete seine Frau (bzw. die Witwe) den Uhrmacher Matthäus Runggel. Runggel überlebte seine neue Frau, die etwa 1620 verstarb. Weitere fünf Jahre später heiratete Runggel erneut.

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