» Übersicht» Werkzeug» Reinigungen» Problemsammlung» Tips&Tricks
» Zylinder-TU» Ashton-TU» Burdess-TU» Kette/Schnecke-Werke» Omega-TU

Reinigung der englischen "A. Burdess"-Taschenuhr


Als drittes Projekt für den Werkstattbereich habe ich die Reinigung meiner Adam Burdess-Taschenuhr mit Fotos dokumentiert. Diese hat als Besonderheit nicht nur eine doch etwas andere und altertümliche Bauweise, d.h. ein Vollplatinen-Werk, sondern auch noch einen Antrieb über eine Kette und Schnecke, um die ungleichmäßige Kraft der Aufzugsfeder auszugleichen.

Na denn mal los. Der Arbeitsplatz wird vorbereitet, die Taschenuhr kommt in Position und die Werkzeuge und Hilfsmittel liegen bereit:


Das Werk wird aus dem Gehäuse genommen, in dem der kleine Werkshaltestift auf 12 Uhr einfach herausgeschoben wird. Die Zeiger kommen auch schon mal runter:


Dann wird das Werk gewendet:


Das Schutzgehäuse kommt nun auch runter. Man sieht die Unruh noch schwingen, die Uhr stand ja in der Vitrine, wo ich sie selten mal laufen ließ:


Der Unruhkloben geht erwartungsgemäß sehr leicht runter:


Dann kam das erste Problem: Wie bekomme ich die Unruh ab? Das Spiralklötzchen ist nicht geschraubt, sondern fest mit der Platine verbunden. Die Spirale ist jedoch mit einem kleinen Stift daran befestigt, wie man hier sieht. Den habe ich rausziehen müssen, so daß sich die Spirale lösen läßt:


Und frei war die Unruh. Schön sorgfältig beiseite damit:


Nun können wir es ruhig angehen lassen. Ich fange mal mit der Zifferblattseite an. Das Werk wird einmal gewendet. Die Füße des Zifferblatts ragen durch die Platine und sind mit kleinen Messingstiften daran befestigt. Die ziehe ich einfach heraus und kann das Zifferblatt abnehmen (von den Stiften selbst hätte ich auch noch ein Foto machen sollen). Zu sehen ist hier der Vierkant vom Federhaus, die Sperrklinke am Sperrad, das Stundenrohr, Wechselrad und das Kleinbodenrad im Platinendurchbruch. Die Feder unten hält das "Gesperr", mit dem man das Werk ausklappen kann:


Nun muß zunächst die Aufzugsfeder entspannt werden! Wichtig! Man setzt den Uhrenschlüssel auf den Vierkant und löst die Sperrklinge und läßt die Federhauswelle vorsichtig entspannen. Dann kann die Sperrklinke auch runter (muß aber nicht unbedingt, ich weiß), das Sperrad auch, dazu Stundenrohr und das Wechselrad.


Zurück zur anderen Seite des Uhrwerks: Die Federhausbrücke kommt zuerst runter, dann werden die kleinen Haltestifte der Platine herausgezogen. Aufpassen, daß keiner verloren geht!


Dann kann die Platine abgenommen werden. Man sieht die nun locker sitzende Kette, das Räderwerk, Federhaus und die Schnecke. Rechts ist die abgenommene Platine, dort sieht man noch einen kleinen Hebel, der von einer Feder von der Platine weggedrückt wird. Das kleine Ding sorgt dafür (in Verbindung mit dem Dornrad auf der Schnecke), daß man die Aufzugsfeder nicht soweit aufziehen kann, daß die Kette reißt:


Die ganzen Rädchen werden abgenommen, die Kette löst sich leicht vom Federhaus. Allerdings noch nicht von der Schnecke:


So sieht übrigens ein Federhaus aus, auf daß ein "sogenannter" Uhrmacher, der besser noch ein paar Kurse mitmachen sollte, seine Patschehändchen drückte. Die Fingerabdrücke gehen ohne schweres Geschütz nun nicht mehr ab:


Zu guter letzt kommt auch das Viertelrohr runter, die Platine ist nun bereit, ins Bad zu kommen.


Die andere Seite der Platine nochmal der Vollständigkeit halber:


Die Reinigung begann, die einzelnen Teile werden sorgfältig im Reinigungsbad geschwenkt, danach noch ab in eine Spüllösung und ab zum Trocknen. Wie schon erwähnt, wollte sich die Kette nicht von der Schnecke lösen. Ich habe also nur die Kette ins Bad tauchen lassen, die Schnecke blieb im Trocknen, weil sonst Flüssigkeit ins komplizierte Innenleben gelangen könnte. Und die Schnecke bekam ich leider nicht auseinander, sonst wäre sie in Einzelteilen (natürlich!) auch ins Bad gekommen.


Der Deckstein des Unruhklobens wurde natürlich auch gelöst, bevors ins Bad ging:


Und nach dem Trocknen kommt er wieder drauf. Idealerweise kann man hier schon die Ölung des Lagers machen, bevor der Deckstein draufkommt. Hierzu bringt man auf die Innenseite des Decksteins einen Öltropfen auf, der ca. halb so groß wie der Deckstein selbst ist. Ansonsten kann man das auch später machen, indem man einen Öltropfen aufs Lager gibt und mit einer abgerundeten Nadel zum Deckstein durchstößt:


Bevor mit der Remontage begonnen wird, müssen die einzelnen Teile natürlich "furztrocken" sein. Wie gewohnt, kommt dann zuerst das Viertelrohr samt einem Tröpfchen Öl auf die Minutenradwelle, das Kleinbodenrad mußte auch schon drauf:


Ich habe mich dazu entschlossen, der Kette einen dünnen Ölfilm zu verpassen. Das dient zwar nicht unbedingt der Beweglichkeit der Kette, sorgt wohl aber für ein wenig Korrosionsschutz. Ich habe dazu etwas Großuhrenöl auf meine Finger getan und die Kette dann durch diese Finger gezogen. Daher kommen hier auch die "Flecken" auf dem Papier im Untergrund. Die Kette wird ins Federhaus eingehangen und vorsichtig aufgewickelt (aufpassen, daß man richtigrum wickelt!). Federhaus und Schnecke kommen dann ins Werk:


Wider den Tips aus dem Uhrenforum hab ich schon mal die Kette in die Schnecke eingehangen:


... und die Rädchen in die Lager gesetzt. Die Ankerpaletten sollten am besten jetzt schon leicht geölt werden, noch kommt man ganz bequem dran. Macht man das später, dann wirds eine Frickelarbeit:


Dann kommt die Platine vorsichtig drauf:


Die ganzen Zapfen müssen nun langsam in die Lager bugsiert werden, der Anker muß auch noch in den "Zylinder" der Unruh-Halterung, dann kann die Platine mit den Haltestiften befestigt werden. Auch die Federhausbrücke kommt nun drauf:


Auf der anderen Seite des Werks (Zifferblattseite) kommt das Sperrad samt Sperrklinke drauf. Das Federhaus wird mit ca. einer knappen Umdrehung vorgespannt (Schlüssel auf den Vierkant):


Dann werden die Lager alle geölt, natürlich mit Gefühl und nicht zu viel Öl:


Auch auf der Zifferblattseite wird alles geölt, Wechselrad und Stundenrohr kommen drauf (auch hier das Tröpfchen Öl nicht vergessen):


Drauf mit dem Zifferblatt. In die Füße, die durch die Platine ins Werksinnere reichen, kommen die kleinen Haltestifte wieder rein:


Nun wird das Lager der Unruh geölt (siehe Beschreibung weiter oben), die Unruh wird positioniert und die Spirale wird ins Klötzchen geschoben. Gut daß ich mir gemerkt hatte, wie weit die hinten wieder rausragt, an der Spirale konnte ich es nicht erkennen. Mit dem kleinen Stift fixieren und die Spirale in den Rückerzeiger einhängen:


Dann noch minimal Öl auf den anderen Zapfen der Unruhwelle, den Unruhkloben drauf und ... sie läuft an! Juchu! Nun muß noch die Uhr das erste Mal wieder vorsichtig aufgezogen werden. Da man die Kette ja eher so irgendwie aufs Federhaus gewickelt hatte, muß man nun die Uhr langsam aufziehen und drauf achten, daß die Kette richtig auf die Schnecke kommt. Ein paar mal mußte ich schon die Position der Kette nachkorrigieren.


Schnell das Schutzgehäuse drauf, umgedreht und die Zeiger gesetzt:


Und letztendlich wieder ins Werk hinein:


Die Uhr hatte vor der Reinigung so einige Probleme gehabt, die Unruh schwang sehr leblos und war kurz vor dem Stillstand, die Uhr blieb gerne einfach mal stehen. Während der Demontage hab ich mir die Unruhlager mal angesehen und konnte da vor lauter Schmutz fast nicht durchgucken. Nach der Reinigung strahlten die Lager wieder, die Unruh schwingt auch nach wie vor wieder kraftvoll.

Zu meiner Schande muß ich gestehen, daß ich auch noch immer dazulernen muß. Ich hatte die Ölung der Ankerpaletten vergessen und muß dieses nun nachholen. Auch die Lager der Unruh könnten noch etwas Öl mehr vertragen, ich hatte nur die Zapfen der Welle geölt, was aber wohl nicht ausreicht. Aber das wird schnellstens nachgeholt.