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Die Remontage einer Taschenuhr


Das Zusammenbauen der Taschenuhr geschieht quasi genau umgekehrt zum Auseinanderbauen. Nur müssen wir nun etwas sorgfältiger sein und Fingerabdrücke tunlichst vermeiden. Ein sicherer Umgang mit Zange und Schraubendreher ist also obligatorisch. Auch muß sichergestellt sein, daß die Werksteile nach einer Reinigung wirklich trocken sind.

Angefangen wird also rückwärts, auf den Schaumstoff-Puffer kommt die Platine, Zifferblatt-Seite nach oben.


Die Halteplatine für den Unruhkloben kommt zuerst dran, da sie mit minimalem Spiel montiert werden kann, wird sie möglichst zentriert. Auch wäre nun ein guter Zeitpunkt, die Minutenradwelle zu montieren und das Minutenrohr auf die Welle zu schieben. Ein minimales Pünktchen Uhrenöl kommt ins Lager der Minutenradwelle (solange man da noch drankommt).


Als nächstes wird der Kupplungshebel montiert. Ich habe auf dessen Unterseite noch einem hauchdünnen Ölfilm aufgebracht, damit sich der Hebel leichter bewegen kann.


Es folgen die Kupplungshebelfeder, das Wechselrad und das Halteblech. Zu beachten war hier, daß die Feder den Hebel auch nach oben drückt und wieder richtig montiert wird.


Nun wird die Platine gewendet und das Werk wieder der Reihe nach zusammen gebaut:


Ich fange mit der Krone an. Aufzugstrieb und Zeigerstelltrieb werden in dessen Innenseite mit einem hauchdünnen Ölfilm versehen und auf die Aufzugswelle aufgeschoben. Den kleinen Haltebügel lege ich auch schon einmal bereit.


Damit die Krone erst einmal so locker halb im Werk liegenbleibt, nehme ich einen zweiten Puffer zur Hilfe. Die Krone wird richtig positioniert. Hier muß man darauf achten, daß die Rille im Zeigerstelltrieb genau auf den Kupplungshebel kommt, sonst kann man später nicht die Zeiger verstellen! Das Zeigerstelltreib springt auch gerne in dieser Montagephase vom Kupplungshebel runter. Also aufpassen!


Nun wird die Krone mit dem kleinen Haltebügel frei drehbar fixiert:


Dann kommt das Kronrad zurück auf die Federhausbrücke. Auch die Werkshalteschraube wird schon mal wieder locker ins Werk gedreht:


Dann wird das Federhaus an seine Position gesetzt (wobei: ich habe im Lager der Platine schon wieder etwas Öl aufgetragen):


Nun kann die Federhausbrücke vorsichtig (und ohne Finger) an ihrer Position montiert werden. Eventuell muß man sie sachte festdrücken.


Die Brücke wird festgeschraubt und es folgen die Sperrklinkenfeder und danach die Sperrklinke.


Beim Sperrad muß man etwas hantieren. Es muß auf den Vierkant der Federkernwelle, aber auch ins Zahnrad des Kronrades greifen. Außerdem drückt sich die Sperrklinke noch dazwischen. Manch einer würde jetzt sagen, ich montiere die Sperrklinke eben später und würde damit auch recht haben, aber eigentlich ists egal. Wirklich stören tut die ja doch nicht. Das Sperrad wird wieder mit dem kleinen Scheibchen fixiert und fertig ist die Federhausbrücke.


Durch Drehen der Krone kann man schon mal testen, ob sich da nichts verkantet hat. Nun wird das Kleinbodenrad in dessen Lager gesetzt und die Minutenrad-/Kleinbodenradbrücke platziert und festgeschraubt. Hier ist sorgfältig darauf zu achten, daß die Zapfen alle in ihren Lagern sind, bevor man die Schrauben festzieht! Sonst könnte es um einen Zapfen geschehen sein! Ein kleiner Tip ist, nach dem Platzieren einer Brücke an der Krone zu drehen, die Kraft wird ja noch unmittelbar ans Räderwerk weitergegeben, da wir die Hemmung ja noch nicht montiert haben. Die Rädchen sollten sich noch alle frei drehen! Nachdem auch das Hemmungsrad samt Kloben festgeschraubt sind, wird die Uhr geölt.

Hierzu taucht man den Ölgeber so eben gerade ins Uhrenöl ein und berührt damit nach und nach die einzelnen Lager. Etwas Öl wird dabei ins Lager ... kann man bei der Menge schon Fließen sagen? ... gelangen. Wenn man einen dicken Tropfen am Ölgeber hat, lieber nochmal eintunken, das wäre deutlich zu viel Öl! Auch hier gilt die Weisheit: So wenig wie möglich, aber grade so viel wie nötig.


Es folgt die Unruhe. Hier wird zuerst der Unruhreif vorsichtig nach oben weggezogen (vorsichtig, wir wollen sie nicht verbiegen!), damit wir an den Zapfen der Unruhwelle Richtung Unruhkloben kommen. Dort wird mit dem Ölgeber eine wirklich hauchdünne Schicht Öl aufgetragen. Wäre der Unruhdeckstein ab, kämen wir mit dem Öl natürlich von der anderen Seite des Lagers. Die Unruh kommt zurück in ihre Ausgangsposition und wir geben noch einen Bruchteil eines Öltröpfchens auf den anderen Zapfen der Unruhwelle. Danach kann der Unruhkloben samt Unruh auf die Platine gesetzt werden. Hierzu bringt man den Kloben noch freischwebend in der Zange in seine Position und positioniert zunächst die Unruh, so daß der nun untere Zapfen auch im dafür vorgesehenen Lager ist. Danach wird der Kloben auf die Platine abgesenkt, aber noch nicht festgedrückt. Der andere Zapfen der Unruhwelle muß beim ganz vorsichtigen Festdrücken ins Lager des Klobens. Hier hilft es, immer wieder mal den Unruhreif mit der Zange anzuschwingen, so sieht man, ob sich der Reif frei drehen kann. Und immer vorsichtig, die Zapfen sind empfindlich, wir wollen nichts kaputtmachen. Schließlich wird auch die Unruh an ihrer Position sein, der Kloben ist auf der Platine und kann festgeschraubt werden.


Nun kann man die Uhr auch leicht aufziehen und dessen Funktion testen. Bei Zylinderuhren ist es normal, wenn die Uhr nicht sofort von allein anläuft, das ist so durch die Art der Hemmung bedingt. Wir können entweder vorsichtig dem Unruhreif selbst einen kleinen Stubser verpassen oder das Werk aufnehmen (ohne die "fettigen Patschefinger" bitte) und leicht anschütteln.

Wir wenden das Uhrwerk wieder und platzieren das Stundenrohr samt Spreizfeder...


... bevor dann das Zifferblatt positioniert wird:


Abermals wird das Uhrwerk gewendet und die Zifferblatt-Halteschrauben werden eine halbe Umdrehung gedreht und fixieren so das Zifferblatt.


Wir nähern uns dem Ende, das Gehäuse wird bereitgelegt, der kleine Drückerstift zur Zeigerverstellung darf auch nicht fehlen:


Der Drückerstift wird vom Gehäuseinneren ins Drückerschiffchen gesteckt. Dann löst man die Winkelheberschraube wieder langsam, bis sich die Krone aus dem Werk ziehen läßt. Das Werk sollte man nun nicht schütteln oder erschüttern, damit das Zeigerstelltrieb nun nicht noch vom Kupplungshebel springt! Also wird das Werk möglichst ruhig erst Richtung Pendant eingesetzt, so daß der Drückerstift ins Werk greift und die Nase der Platine in den Gehäusering kommt. Dann wird das Werk auch auf der 6-Uhr-Position ins Gehäuse eingedrückt.


Nun schnell die Krone wieder ins Werk schieben, die kleine Winkelheberschraube festdrehen und auch die Werkshalteschraube mit einer halben Umdrehung zurückdrehen.


Wir schließen die hinteren Staubdeckel und wenden uns zu guter letzt dem Zifferblatt zu. Ich fange gerne mit dem Sekundenzeiger an:


Danach folgen der Stunden- und Minutenzeiger. Gut ist es, wenn man sich die Uhr dann von der Seite ansieht, ob die Zeiger auch nach unten und oben genug Platz haben und sich nicht gegenseitig oder das Zifferblatt berühren!


Wir schließen die Lünette, stellen die Uhrzeit ein und werden dann den Gang über den Rückerzeiger einstellen. Operation geglückt, die Uhr läuft!

Nun fehlt nur noch das Ergebnis:



Zylinder-Taschenuhr Alte Zylinder-Taschenuhr

Baujahr geschätzt zwischen 1900 und 1910
Gehäuse: 800er Silber (äußere Deckel), teils rotvergoldet, innerer Staubdeckel aus Metall, Nr. 396782, Silberpunzen, Monogrammspiegel hinten noch frei, Kunststoffglas, D=48mm
Zifferblatt: Emaille, arabische Ziffern, Goldpunkte für Minuten, goldene Louis-XIV-Zeiger, kleine Sekunde.
Werk: Zylinder-Hemmung, Kronenaufzug, 10 Steine, geschlossener massiver Unruhreif, flache Spirale, Zeigerstellen per Drücker auf 1 Uhr, Werksgröße 38,6mm, Brückenwerk aus Messing.

Bilder: Vorderseite   Rückseite   Werksseite   Seitenansicht   Ansicht Krone von oben