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Uhrenhemmungen...

Ankerhemmung


Erfunden wurde die erste Form der Ankerhemmung im Jahre 1691 von einem Uhrmacher namens Clement, die noch für Großuhren vorgesehen war. 1722 lesen wir bei Abbe d'Hautefeuille aus Orleans die Beschreibung einer Ankerhemmung mit Rechen als Ankergabel und einem Trieb auf der Unruhwelle. Da Anker und Unruh jedoch ständig im Eingriff stehen, galt diese Hemmung noch immer nicht als "freie Ankerhemmung". Erst um ca. 1760 gelingt Thomas Mudge die Entwicklung der freien Ankerhemmung für tragbare Uhren nach einigen Erfindungen und Verbesserungen der Stiftankerhemmung (immer noch ausschließlich für Großuhren). Im Jahre 1798 kann der Schweizer L. Perron schließlich auch die Stiftankerhemmung so abändern, daß sie auch in tragbaren Uhren Verwendung finden kann. Um 1864 entwickelt Ferdinand Adolph Lange die "Glashütter Ankerhemmung", dessen Hemmungsteile gradliniger angeordnet sind. Der Anker ist nicht mehr symmetrisch aufgebaut, auch können die Ankerbegrenzungsstifte dadurch entfallen, daß ein Stift an einem der Ankerarme in einen Hohlraum der Platine greift und dadurch sein Bewegungsspielraum begrenzt wird.
Ein anderer Name für die Schweizer bzw. Glashütter Ankerhemmung ist auch "Kolbenzahn-Ankerhemmung".


Aufbau der Schweizer Ankerhemmung:

Ankerhemmung

Wir haben rechts (» A) die Unruhe, sichtbar ist hiervon nur die Rolle samt Hebestein und die Welle im Zentrum. Die Spirale ist ebenfalls hier an der Rolle befestigt und führt nach ihren Windungen zum Spiralklötzchen, das wiederum am Unruhkloben befestigt ist. An der Rolle auf der Unruhwelle sitzt der Hebestein, auch Ellipse genannt. Das ist ein Stein, der in die Ankergabel greift und den Anker das kleine Stück mitnimmt. Der Anker (» C) besteht aus der Ankergabel (dort rein greift der Hebestein), der Ankerwelle und den zwei Palettensteinen, d.h. einer Eingangspalette (hier oben) und einer Ausgangspalette (unten am Anker). In seiner Bewegung wird der Anker durch die Ankerbegrenzungsstifte (» B) eingeschränkt. Links im Bild befindet sich schließlich das Ankerrad (» D) mit den Radzähnen. Das Ankerrad steht im Kraftfluß des Federhauses und würde sich hier im Uhrzeigersinn drehen wollen - wird aber natürlich von Anker in seiner Drehbewegung gehemmt.


Funktion der Ankerhemmung

Oben im Bild sieht man, daß ein Zahn des Gangrades an der Ausgangspalette (unterer Stein am Anker) anliegt. Durch die leichte Neigung der Palette wird der Anker an den vorderen Ankerbegrenzungsstift gezogen, der Anker kann also nicht bei Erschütterungen seine Position verlassen! Schwingt die Unruh nun jetzt im Uhrzeigersinn, dann greift der Hebestein (rechts an der Unruh an der Rolle) in die Ankergabel und drückt den Anker ein Stück mit - soweit, bis der Arm des Ankers ungefähr in einer Linie zwischen Unruhwelle und Gangradwelle liegt. Ab da schlindert am Ankerrad der Radzahn über die Palette und drückt diese durch dessen Neigung nach rechts weg, der Anker selbst bekommt somit einen Kraftschub vom Gangrad. Rechts an der Ankergabel, die nun dort nach oben will, bedeutet das jedoch auch, daß die Unruh einen Kraftimpuls bekommt und den Schwung für die nächste Halbschwingung hat. Der Anker klickt sodann gegen den hinteren Ankerbegrenzungsstift, unten versperrt die (obere) Eingangspalette dem nachkommenden Zahn des Gangrades den Weg und wird auch durch dessen Neigung noch etwas mehr herangezogen, so daß auch in dieser Position der Anker sicher gehalten wird.

Irgendwann schwingt die Unruh zurück und nimmt den Anker nun wieder nach unten mit, überwindet das "Stückchen Palette", welches das Gangrad blockiert, bis auch an der Eingangspalette der Zahn des Gangrades über die untere Palettenseite (Hebefläche) schlindert und durch dessen Neigung den Anker wegdrückt. Das Spiel beginnt von neuem...


Weitere Ankerhemmungen

Glashütter Ankerhemmung Bei der "Glashütter Ankerhemmung" gibt es einige Unterschiede, so sind die Hemmungsteile alle geradlinig angeordnet, die Arme des Ankers sind etwas anders geformt. Auffällig ist, daß die Palettensteine im Anker eingelassen und von oben nicht sichtbar sind. Am Arm der Eingangspalette ist senkrecht ein Stift befestigt, der nach unten in einen Hohlraum der Werksplatine reicht. Durch die Größe dieses Loches können die Ankerbegrenzungsstifte entfallen. Ebenfalls wurden die Paletten konvex und konkav geschliffen, um die Reibung und dadurch den Verschleiß zu minimieren. Anker und Gangrad sind meist aus Gold gefertigt. Auch hat die Glashütter Ankerhemmung die Eigenschaft, daß der Impulsstein (Ellipse) auf einer Speiche der Unruh befestigt ist und nicht auf einer Rolle verdreht zu den Unruhspeichen!


Spitzzahn-Ankerhemmung Die Spitzzahn-Ankerhemmung wurde meist in Uhren für oder aus England verbaut und löste dort direkt Uhren mit Spindelhemmung ab. Merkmal der Spitzzahn-Ankerhemmung sind die spitzen Zähne des Gangrades und die rechtwinklige Anordnung von Unruhwelle, Ankerwelle und Gangradwelle. Die Palettensteine sind meist in den Anker eingelassen. Nachteil dieser Hemmung war, daß die spitzen Zähne des Gangrades die Ölhaltung auf den Paletten erschwerten und zudem auch empfindlich waren (und leicht verbogen). Ein weiterer Nachteil liegt darin, daß die Hebung nur auf den Palettensteinen lag und nicht wie bei der schweizer Ankerhemmung auch zum Teil auf den Radzähnen. Die auch hier notwendigen Ankerbegrenzungsstifte sind auf der Zeichnung rechts nicht zu sehen.


Stiftankerhemmung Die Stiftankerhemmung findet man meist nur bei sehr preiswerten Taschenuhren, wobei es aber auch hochwertige Stiftankerhemmungen im Großuhren-/Tischuhren-Bereich gibt. Bei Taschenuhren bedeutet die Stiftankerhemmung jedoch schon eine mindere Qualität des Werkes. Statt Palettensteinen finden sich auf dem Anker senkrecht angebracht Stifte, die in die Zähne des Gangrades greifen. Der Anker muß nicht unbedingt wie auf dem Bild rechtwinklig angeordnet sein. Ein anderer Name der Stiftankerhemmung ist auch die "Scherenhemmung", in größeren Uhren findet sich statt des Ankers auch manchmal ein längerer Kamm, der Begriff "Stiftanker" ist also eher ein Oberbegriff für Uhren, die entweder auf dem Gangrad oder auf dem Anker senkrecht stehende Stifte besitzen.

Bei der "Zwei-Stiftankerhemmung" von George Savage befinden sich die Stifte nicht am Anker, sondern an der Sicherheitsrolle der Unruh (anstelle einer Ellipse) und bewirkten dort die Auslösung des Ankers. Savage entwickelte diese Hemmung um 1820 in London.