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Chronometerhemmung

Die Chronometer-Hemmung ist eine recht komplizierte Hemmung, die man nur recht schwer verstehen kann, wenn man sie nicht in Aktion sieht. Aber beginnen wir von vorn. Die rückführenden Hemmungen wie z.B. die Spindelhemmung besitzen das Problem, daß die Unruh ständig mit dem Räderwerk verbunden ist, immer wirkt von irgendwo her eine Kraft auf sie. Dadurch war diese Hemmung etwas störanfällig und neigte schnell zu Gangabweichungen. Als später die ersten ruhenden Hemmungen auftauchten (wie z.B. die Zylinderhemmung), konnte die Unruh etwas freier Schwingen und die Ganggenauigkeiten nahmen drastisch zu, wenn auch immer noch Gangabbweichungen der Normalfall waren. Es mußte also eine Hemmung her, bei der die Unruh noch freier schwingen konnte. Die Ankerhemmung war hier ein großer Schritt, erlaubte er das freie Schwingen der Unruh, zumindest für jeweils eine halbe Schwingung (auch Amplitude genannt). Um Uhren mit noch höherer Präzision bauen zu können, was lag da näher, als die Unruh für die Dauer einer ganzen Schwingung berührungsfrei zu lassen?

Als Erfinder dieser Hemmung gelten Pierre Le Roy, Ferdinand Berthoud sowie John Arnold und Thomas Earnshow.


Aufbau und Funktion der Chronometerhemmung

Chronometerhemmung

Sehen wir uns die Zeichnung der Chronometer-Hemmung einmal in Ruhe an: Links befindet sich die Unruhe ("U"), deren Sicherheitsrolle hier zu sehen ist. Rechts darunter befindet sich das Gangrad ("G"). An der Sicherheitsrolle befindet sich eine kleine Palette, der Auslösestein ("A").

Animation der Chronometerhemmung Wenn die Unruhe gegen den Uhrzeigersinn schwingt, nimmt er die feine Feder rechts mit, hebt diese an und gibt damit indirekt das Gangrad frei, das bislang noch am Ruhestein ("R") festgehalten wird. Schwingt die Unruh im Uhrzeigersinn, so überwindet der Auslösestein die Feder einfach und nichts geschieht.

Doch damit die Unruh auch schwingen kann, braucht sie etwas Energie! Dafür sorgt der Hebestein ("H"). Sobald sich die Unruh gegen den Uhrzeigersinn dreht und mit dem Auslösestein die Feder mitnimmt und dadurch das Gangrad am Ruhestein freigibt, kann sich das Gangrad drehen (es steht ja im Kraftfluß des Räderwerks), und ein Zahn des Gangrades greift in den Hebestein und versetzt der Unruh einen Kraftimpuls für die nächste volle Schwingung.

Die Unruh schwingt hier in der Animation nicht im vollen Maße, sondern es wird nur der interessante Teil der Unruhschwingung gezeigt.


(Animation hergestellt von www.Uhrmachermeister.de)




Abwandlungen der Chronometerhemmung
Als bekannteste Abwandlung der Chronometerhemmung gibt es die Wippenhemmung, auch "Chronometerhemmung mit Wippe" genannt. Hier ist die gesamte Federkonstruktion nicht fest im Uhrwerk verschraubt, sondern besitzt stattdessen ein Steinlager und eine feine Spiralfeder, aber auch eine starrere Konstruktion.


Die Chronometerhemmung konnte sich in Taschenuhren nie ganz durchsetzen und war nur einigen Präzisionsuhren vorbehalten. Dafür gibt es zwei Gründe: Die Herstellung dieser Hemmung ist sehr aufwendig, besonders im Vergleich zur Ankerhemmung, die nur wenige Jahre später entwickelt wurde. Und diese Hemmung ist sehr stoßempfindlich! Falls die Unruh durch einen Stoß anhält, kann sie nicht von allein wieder loslaufen. Im umgekehrten Fall: Wird die Unruh durch eine Erschütterung beschleunigt, kann es passieren, daß die Unruh zu "galoppieren" anfängt und dann zwei Zähne des Gangrades passieren läßt anstelle von nur einem! Hierfür gibt es zwar auch einige Abwandlungen, die das Galoppieren verhindern können, den Durchbruch schaffte diese Hemmung aber dennoch nicht innerhalb von Taschenuhren.