Wie trägt man eine Taschenuhr?


Taschenuhren können auf verschiedenste Weisen getragen werden, es gibt einige Varianten mehr als eine einfache Kette mit Federring und kleinem Federclip (der bei so ziemlich allen Kettenarten zu finden ist). Sinn macht so eine Kette in jedem Fall, schnell rutscht die gerade aus der Hose oder der Weste gezogene Uhr aus der Hand und würde sonst auf dem Boden aufprallen und Schaden nehmen, auch mir hat eine Kette schon oft eine sonst anstehende Reparatur erspart! Früher benutzte die ärmere Bevölkerung gar einfache Lederbändchen als "Sicherung". Aber wir können schon auf wertigere Ketten aus Metall, Silber, Gold oder sonstigen Materialien zurückgreifen.

Welche Arten von Uhrenketten gibt es?

Als Uhrenkette sind folgende Typen bekannt:
Für die ganz alten Spindeltaschenuhren, Sackuhren und anderen frühen tragbaren Uhren gab es auch noch die "Chatelaines", prunkvoll gestaltete Ketten mit Anhängseln, Edelsteinen, reich und übermäßig verziert, welche außen an der Kleidung befestigt wurden und den Reichtum des Besitzers wiederspiegelten - selbst für den Besitz einer bloßen Uhr mußte man ja damals schon Unsummen an Geld bezahlen.

Um ca. 1900 kamen es schließlich auch in Mode, Damentaschenuhren am Handgelenk zu tragen, quasi als Vorläufer der echten Armbanduhren. Hierzu gab es Uhrenkrallen mit Armband, in die eine Taschenuhr fixiert werden konnte.

Im englischen/amerikanischen wird der Begriff "Fob Chain" weitläufig verwendet und bezeichnet quasi alle Uhrenkettenarten, an denen ein Anhänger befestigt werden kann - egal, ob Albertketten oder Ketten mit Federring.

Bevor es zu den Uhrenkettentypen im Detail geht, noch eine kleine Anmerkung: Taschenuhren müssen nicht zwingend zu einem Anzug getragen werden, damals liefen ja auch nicht alle im Anzug herum, nur weil sie eine Taschenuhr hatten. Doch wohin mit der Uhr bei normaler Kleidung? Somit:


Wo kommt die Uhr hin?

Für einen Anzug mit Weste bietet sich natürlich an, die Uhr in der Westentasche unterzubringen (z.B. per einfacher Kette, Albert-/Doppel-Albert-Kette, ...). Bei vielen Westen ist die Tasche zwar vorhanden, jedoch noch zugenäht. Hier kann man einfach die Naht auftrennen und die Tasche in ihrer Funktion nutzen. Trägt man keine Weste, dann kommt alternativ die (linke) Brusttasche der Anzugsjacke mit einer Knopflochkette in Betracht, oder eben die Hosentasche.
Bei Jeans-Hosen gibt es in der rechten Hosentasche ja diese kleinere Tasche in der Tasche. Diese kleinere Innentasche war ursprünglich dazu gedacht, eine Uhr oder ein Taschenmesser aufzunehmen, was für uns nach wie vor gilt. Leider haben aber einige Hersteller diese Tasche dermaßen verkleinert, daß da keine Uhr mehr hineinpaßt; dann muß es eben die normale rechte Hosentasche tun.
Für die Damen gibt es noch Broschen, an der die Uhren befestigt werden können. Diese kann einfach an der Kleindung befestigt werden. Oder die Uhr wird an einer langen dünnen Kette mit Schieber befestigt, welche um den Hals getragen wird.
Bei (ich nenne es mal) Strandbekleidung und einigen kurzen Hosen haben wir jedoch leider Pech mit den Taschenuhren - für Boxershorts oder Badehosen gibt es keine passende Art, eine Uhr darin unterzubringen.
Ansonsten ist die Hosentasche wohl die beste Wahl der Unterbringung. Wahlweise bekommt man auch kleine Täschchen, welche man am Gürtel befestigen kann, in die eine Taschenuhr bequem hineinpaßt, idealerweise noch durch eine einfache Kette gesichert.


Die Benutzung der einzelnen Kettentypen

Die Wahl der Uhrenkette richtet sich natürlich daran, wo eine Uhr an der Kleidung getragen wird. An dieser Stelle möchte ich noch auf eines Hinweisen: Auf den Bildern sieht man die Taschenuhr jeweils mit dem Glas nach vorne abgebildet. Ich rate jedoch eher dazu, die Uhr mit dem Glas bzw. Zifferblatt zum Körper hin zu tragen! Dieses hat zwei große Vorteile: Zum einen kann die Uhrzeit sofort nach dem Herausziehen abgelesen werden, die Uhr muß dafür nicht noch extra gedreht werden, und zum anderen als Schutz für das Glas! Man muß nur einmal unglücklich vor die Kante eines Schranks (Buffet-Schrank, Schuhschrank, Sekretär, ...) laufen und das Glas könnte Schaden nehmen. Die Uhrengläser sind zwar recht unempfindlich, aber eine gewisse Wahrscheinlichkeit existiert schon.

  • Einfache Ketten mit großem Federring (an der Hose getragen)
  • Einfache Ketten mit großem Federring Dieses ist wohl die bekannteste und verbreiteste Art der Uhrenkette, überall zu bekommen und heutzutage meist aus versilbertem oder vergoldetem Metall. Der kleinere Federclip kommt dabei an den Bügel der Taschenuhr. Für Jeanshosen gilt: der Federring wird hier an der Gürtelschlaufe über der rechten Hosentasche befestigt, die Uhr kommt in die kleinere innere Hosentasche.

  • Einfache Ketten mit großem Federring (an der Weste getragen)
  • Einfache Ketten mit großem Federring Bei einer Anzugsweste kommt der Federring versteckt um einen Knopf unterhalb des Stoffes mit dem Knopfloch, leicht oberhalb der Höhe der Westentasche. Anschließend wird die Weste zugeknöpft (siehe Foto: Zustand vor dem Zuknöpfen).

    Man kann den Federring zwar auch durch ein Knopfloch führen - jedoch sieht das weniger schön aus.

  • Einfache Ketten mit kleinen Federringen
  • Einfache Ketten mit kleinen Federring Dieser Kettentyp ist etwas weniger verbreitet und nur für Hosen geeignet, ein Ende der Kette kommt an die Uhr, das andere Ende wird um eine Gürtelschlaufe geführt und dann an der Kette selbst angebracht.

  • Gürtelclip-Ketten
  • Gürtelclip-Ketten Diese Kettenart trifft man bei den ganz modernen und billigen Taschenuhren gerne man an, aber auch damals gab es schon diesen Typ, wenn auch in wertigerer Ausführung. Der Gürtelclip wird einfach am Gürtel befestigt oder darauf geschoben und die Uhr kommt in die Hosentasche.

    Auf dem Foto ist ein moderner Gürtelclip zu sehen, welcher idealerweise von hinten auf den Gürtel gesteckt wird, um ein versehentliches Lösen zu vermeiden.

  • Knopfloch-Ketten
  • Knopfloch-Ketten Knopflochketten sind dafür da, Uhren in der Brusttasche einer Anzugjacke unterzubringen, der Knopf an der hier kürzeren Kette wird dann von hinten durch ein Knopfloch im Kragen gesteckt. Wahlweise gibt es Knopfloch-Ketten auch mit T-Endstück, wie hier auf dem Foto, welches einfach von vorne in das Knopfloch der Anzugjacke geschoben wird.

  • Ketten mit Anhängseln
  • Ketten mit Anhängseln Diese Uhrenkettenart fällt etwas aus dem Rahmen, zumal wir es hier eher selten mit einer wirklichen Kette zu tun haben. Fob Chains im englischen, hier auch als Bierzipfel bekannt und oft mit den Zeichen von Studentenvereinigungen versehen - wahlweise auch eher (geflochtene) Metallbänder (ab und an mit einem Siegelstein am Ende), auch Lederbänder mit einem angehängten Emblem (oft mit Werbung darauf!), das alles zählt als Anhängselkette. Was noch auffällt: Diese Kettenart wird ausschließlich an der Uhr befestigt - nicht jedoch an der Kleidung!

  • Kleidungssaum-Clip-Ketten
  • Kleidungssaum-Clip-Ketten Diese Kettenart ist in den Vereinigten Staaten damals recht verbreitet gewesen, der Saumclip ist in der Regel mit einem Dorn und Verschluß ausgestattet und so sicher an der Kleidung hält. Die Uhr wird hier an einem kurzen und eher dünnen Kettchen befestigt, der Saumclip kommt direkt an den Saum der Tasche, in dem die Uhr getragen wird.

  • Schieberketten
  • Schieberketten Schieberketten sind für die weiblichen Taschenuhrträger unter uns, die Uhr wird an der meist recht langen Kette befestigt und um den Hals getragen; der Schieber wird dann in eine passende Höhe geschoben. Die Uhr baumelt hier zwischen Brust und Bauchhöhe am Körper.

    Bei überlangen Ketten, wie hier auf dem Bild, konnte die Uhr auch in den Kleidungssaum, den breiteren Gürtel oder in eine Tasche des Kostüms geschoben werden.

  • Albert-Ketten mit T-Endstück
  • Albert-Ketten mit T-Endstück Albertketten machen einzig an einer Anzugweste Sinn, das T-Endstück wird hier von vorne durch ein Knopfloch der Weste gesteckt und ist somit beim Tragen nicht sichtbar - auf dem Foto wurde das T-Endstück zur Verdeutlichung noch nicht an das Knopfloch herangezogen.

    Benannt wurde sie nach Prinz Albert (der Ehemann von Königin Victoria), der es liebte, Taschenuhrenketten zu tragen. Ebenso gibt es Albertina-Ketten als Abwandlung davon. Albertina-Ketten sind verzierter, zierlicher, weniger männlich gestaltet und oft mehr Schmuck als praktische Uhrenkette (und wurden auch oft eher als Schmuck getragen).

  • Doppel-Albert-Ketten
  • Doppel-Albert-Ketten Ebenso wie bei der einfachen Albertkette kommt der Einsatz nur bei einer Weste in Frage: Das T-Endstück wird auch hier entsprechend durch ein Knopfloch geschoben. An ein Ende der Kette kommt die Uhr, welche dann in einer Westentasche steckt. An das andere Ende der Kette kommt z.B. ein Anhängsel, wie ein Taschenmesser, der Aufzugsschlüssel (bei Schlüsseltaschenuhren) oder sonstige zierende Objekte (z.B. ein Siegelstein). Oft sieht man hier auch neben den beiden langen Enden noch ein sehr kurzes drittes Kettenstück mit Öse - an dieses kurze Ende kommt dann wahlweise ein Emblem oder anderer Zierschmuck (den Aufzugsschlüssel würde ich hier nur dann befestigen, wenn er alt, original und kunstvoll gestaltet ist, daß er als Zierobjekt dienen kann).

  • Broschen/Anhänger als Uhrenhalter
  • Broschen/Anhänger als Uhrenhalter Diese Art ist der Damenwelt vorbehalten, die Uhr wird mit der Brosche einfach an der Kleidung, gerne meist vorne etwas links, befestigt. Diese Broschen gibt es in allen erdenklichen Formen und Materialien.

    Dieses Bild wurde mit freundlicher Genehmigung von Atlam Watches verwendet.

  • Gürteltaschen
  • Gürteltaschen Die Uhr wird hier in der Tasche getragen, welche am Gürtel befestigt werden kann. Zur Sicherung ist dennoch eine Uhrenkette notwendig, denn schnell kann die Uhr aus der Tasche gleiten.

  • Damentaschenuhren in einer Uhrenkralle am Handgelenk
  • Broschen/Anhänger als Uhrenhalter
    Keine Kette, aber dafür ein Armband mit einer Kralle, in der eine Damentaschenuhr fixiert werden konnte. So war es möglich, die Uhr am Handgelenk wie eine Armbanduhr zu tragen.

    Dieses Bild wurde mit freundlicher Genehmigung von K.-H. Konert, Leiter des Richard-Brandt-Heimatmuseums in Wedemark, verwendet.


    Schlüsseltaschenuhren - wohin mit dem Schlüssel?

    Auch will ich noch klären, was man denn mit dem Aufzugsschlüssel der Schlüsseltaschenuhren beim Tragen machen kann. Daß man den Schlüssel mit der Uhr mitführen sollte, ist klar - nicht nur für den täglichen Aufzug der Uhr, auch zum Stellen der Uhr ist der Schlüssel ja notwendig. Bloß wohin damit? Da eine Uhr ja stets an einer Uhrenkette hängt (hängen sollte!), bietet sich für Schlüsseltaschenuhren eine Kette an, welche einen zusätzlichen Clip für den Schlüssel besitzt, z.B. eine Doppel-Albertkette - aber auch bei den Ketten mit Federring gibt es Modelle mit kurzem zusätzlichem Clip für einen Schlüssel.

    Da meine Uhrenketten kaum diese entsprechenden Clips besitzen, habe ich mir für die Schlüssel kleine Schlüsselkettchen gebastelt, welche ich an der normalen Uhrenkette befestigen kann. Dazu nahm ich eine normale Halskette mit etwas gröberen Kettengliedern sowie dem einen kleinen Federring der Kette plus einem weiteren kleinen Federring oder Federclip, an den normalerweise eine Taschenuhr kommt. Die Kette hatte ich auf ca. 5cm Länge gekürzt und an das offene Ende dann den zusäzulichen Clip angebracht. Der kleine Federring kommt an die Uhrenkette an der Seite des großen Federrings (z.B. dort am ersten kleinen Kettenglied) und das andere Ende mit dem Schlüssel in die Hosentasche hinein. Kunstvolle alte Uhrenschlüssel dürfen gerne auch außerhalb der Tasche wie ein Anhänger baumeln.

    Schlüsselkettchen


    Eine Kuriosität: Uhrenkette mit Diebstahlsicherung!

    Einem Taschendieb war es damals ein leichtes, eine in der Weste getragene Taschenuhr zu stehlen. Das Herausziehen der Uhr aus der Tasche war schell und unbemerkt geschehen und die Befestigung an der Weste auch schnell und unauffällig überwunden. Aus diesem Grunde gab es einige Erfindungen, um einen Diebstahl zu verhindern. Ein solches Exemplar einer alten Diebstahlsicherung lief mir einmal über den Weg und ich konnte nicht widerstehen, diese spezielle Kette für kleines Geld zu erwerben. Das Material der Kette ist zwar nichts besonderes, wohl nur Messing oder Nickel, die Kapsel am Ende (kurz vor dem Taschenuhr-Karabiner) in Form einer Eichel hat es in sich: Darin befinden sich insgesamt drei Löcher (auf dem Bild ist nur eines davon sichtbar):

    Uhrenkette mit Diebstahlsicherung

    Versucht man die Uhr an der Kette aus der Tasche zu ziehen, so kommen aus diesen drei Löchern Dornen heraus, welche sich in der Kleidung verhaken: Die Uhr kann also so nicht aus der Tasche gezogen werden, ein Diebstahl würde nicht nur mißlingen, sondern auch sofort auffallen:

    Uhrenkette mit Diebstahlsicherung

    In der Kapsel ist auch eine Feder, welche die Dornen im entlasteten Zustand eingezogen behält. Nur wenn man die Uhr an der Kapsel selbst herauszieht, bleiben die Dornen in der Kapsel drin!