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Spindelhemmung

Die Spindelhemmung ist in ihrer Grundform die älteste Uhrenhemmung überhaupt. Anfangs für Turmuhren verwendet, konnte sie zusammen mit den übrigen Bauteilen der Uhr später auf "Taschenuhr-Größe" verkleinert werden. Mit einer Radunruh samt Spirale taucht die Spindelhemmung erstmals 1675 auf, vorher gabs einen Balken (Foliot) oder Löffelunruhen.


Aufbau und Funktion der Spindelhemmung

Spindelhemmung

Das Gangrad, auch "Steigrad" oder "Kronrad" (hier grün eingezeichnet) sitzt hier horizontal, auffällig ist hier auch die Zahnform. Da das Steigrad vor dem Drehrichtungswechsel der Spindel ein kleines Stück zurückgeführt wird, bezeichnet man die Spindelhemmung als rückführende Hemmung. Die Unruh (gelb) sitzt auf einer langen Welle, der Spindel, an der rechtwinklig zueinander zwei Spindellappen befestigt sind. Dessen Abstand entspricht auch der Größe des Gangrades, so daß sie abwechseln in dessen Zähne greifen können. Zu erkennen ist eine Taschenuhr mit Spindelhemmung stets am Kronrad (in der Zeichnung leicht blau), das bei der Werkseinsicht sofort ins Auge fällt - moment, nochmal "Kronrad"??? Dieses Rad ist das letzte Rad des Räderwerks und nennt sich im englischen das "Forth Wheel" und entspricht etwa dem Sekundenrad bei moderneren Uhren. Da Spindeluhren aber kein Sekundenrad haben, die Übersetzung der Zahnräder auch verschieden ist und die Form dieses Zahnrades auch an eine Krone erinnert, nennt sich auch dieses Rad Kronrad!


Funktion der Spindelhemmung Sobald der Kraftfluß vom Federhaus über das Räderwerk am Kronrad angelagt ist, drückt der vordere Zahn den passenden Spindellappen mit und dreht somit auch die Unruh. Der andere Spindellappen dreht sich jedoch auch mit und versperrt dem Zahn des Kronrades auf seiner Seite den Weg. Nun versucht dieser Zahn, den Spindellappen wegzudrücken und dreht die Unruh in entgegengesetzter Richtung, bis wieder der erstgenannte Spindellappen einen Zahn blockiert. Dadurch ergibt es sicht auch, daß die Unruh nur einen Schwingbereich von etwa 90 Grad besitzt

Die Spindelhemmung ist jedoch auch recht störanfällig und besitzt eine durch ihre Bauart bedingte Ungenauigkeit (wie alle rückführenden Hemmungen). Wenn eine Taschenuhr mit Spindelhemmung "nur" 5 Minuten am Tag falsch geht, so hat man schon eine "genau" gehende Taschenuhr! Einige hochqualitative Taschenuhren bringen es gar auf 2 Minuten pro Tag. Ausnahmen von dieser Ungenauigkeit gibt es natürlich auch: John Harrison baute ja für die Bestimmung des Längengrades auf hoher See einige berühmte Uhren, bekannt als H1, H2 oder auch die berühmte H4 in der Größe einer Taschenuhr, die in 90 Tagen auf hohe See nur wenige Sekunden Abweichung aufwies. Auch diese Uhr war mit einer Spindelhemmung ausgestattet! Diese war natürlich besonders, abgewandelt in Bezug zur herkömmlichen Spindelhemmung, ruhend und mit Diamant-Paletten versehen, aber es war eine Spindelhemmung! Das wichtigste bei dieser Uhr war die vorhandene Temperaturkompensation der Unruhspirale sowie die besonders sorgfältige Herstellung.