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Uhrenhemmungen...

Duplexhemmung

Duplexhemmung Die Duplexhemmung wurde um 1675 von Hooke entwickelt, jedoch erst 1724 von Duterte so perfektioniert, daß sie für den Einsatz in Uhren brauchbar war. Sie war jedoch nie mehr als ein Entwicklungsschritt in der Hemmungs-Geschichte und wurde schnell von der Spindelhemmung und der Ankerhemmung verdrängt. Dennoch fand die Duplexhemmung vor allen in den oft kunstvoll gravierten Taschenuhren für den chinesischen Markt noch lange Verwendung. Je nach Konstruktion lassen sich mit dieser Hemmung auch Sprünge des Sekundenzeigers realisieren, so daß der Sekundenzeiger nicht wie bei einer Ankerhemmung mehrmals die Sekunde ein kleines Stück voranschreitet, sondern nur einmal in der Sekunde einen großen Satz macht (genauer einen sehr kleinen, kaum bemerkbaren Satz plus einen großen Sprung).

Ihren Namen erhielt diese Hemmung von dem doppelt bezahnten Gangrad, das auch manchmal Doppelrad genannt wird. Eine weitere Abwandlung war die Doppelrad-Duplexhemmung, bei der die beiden Zahnreihen auf zwei verschiedenen übereinander montierten Rädern waren.

Wenn wir uns das Gangrad ansehen, so erkennen wir eine spitze und lange Verzahnung am Außenrand, sowie eine zweite Verzahnung senkrecht und versetzt dazu. Die langen seitlichen Zähne nennen sich Ruhezähne, die senkrechten kurzen Zähne nennen sich Stoßzähne. An der Unruhwelle, die hier im Bild ohne den Unruhreif abgebildet ist, sehen wir einmal an der Rolle einen langen Zahn, den Hebelarm, sowie darunter einen Zylinder mit einer (hier nicht sichtbaren) Einkerbung, in die der Ruhezahn des Gangrades eingreifen kann.

Das Doppelrad hat seine Berechtigung dadurch, daß einerseits die Kraftübertragung in Richtung der Unruh am wirkungsvollsten mit einem kurzen Hebelarm ist (» kurzer Stoßzahn), die Ruhereibung des Gangrades am Zylinder der Unruhwelle jedoch mit einem langen Hebelarm am geringsten ist (» langer Ruhezahn). Die Unruh bekommt genau dann einen Kraftimpuls für die nächste Schwingung, sobald der Ruhezahn, der noch am Zylinder der Unruh anliegt, in die Einkerbung greifen und passieren kann. In diesem Augenblick wird der Hebelarm der Unruh vom nachkommenden Stoßzahn gegriffen und vorwärts gedrückt. Beim Zurückschwingen der Unruh erfolgt kein Fortschreiten des Gangrades, auch bekommt die Unruh keinen Impuls.

Nachteilig ist jedoch, daß Uhren mit einer Duplexhemmung nicht von alleine anlaufen können. Auch kann es zum Galoppieren, wenn die Unruh zu stark schwingt, so daß zwei Antriebsstöße während einer Schwingung erfolgen.


Daneben gab es noch eine Reihe von weiteren Varianten der Duplexhemmung:

  • Die "chinesische Duplexhemmung" wurde 1830 von C.E. Jacot erfunden. Sie wurde meist in Uhren eingebaut, die für den Export nach China bestimmt waren. Die Zähne des Gangrades waren doppelt ausgeführt und sahen aus wie eine Gabel oder auch eine Krabbenschere (im englischen Crab Leg Duplex Escapement).

    Chinesische Duplexhemmung



  • Dieses ist eine Sonderform der Duplexhemmung und stellt eher eine Experimental-Hemmung dar und wurde möglicherweise von Augustin Thomas erfunden - zumindest fand sich diese Hemmung in einer seiner Uhren. Auffällig ist, daß die Unruhwelle einen ausgehöhlten Zylinder besitzt, in das Zähne des Gangrades wie bei einer Zylinderhemmung greifen, der Impuls jedoch wie bei einer Duplexhemmung über eine andere Zahnreihe des Gangrades auf eine Palette an der Unruhwelle kommt.

    Sonder-Duplexhemmung