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Reinigung der Omega-Taschenuhr


Neu gekaufte Taschenuhren sollten in der Regel immer gereinigt werden, bevor man sie in der Tasche mit sich trägt. Es sei denn, man weiß, daß der Verkäufer sie vor nicht all zu langer Zeit selbst gereinigt hat oder reinigen ließ. Dann sollte das Werk allerdings auch noch sauber sein und kraftvoll laufen - andernfalls kann eine Reinigung sowieso nicht schaden. Diesmal habe ich mir also meine erste Omega-Taschenuhr vorgenommen und sie nach bestem Wissen und Erfahrung gereinigt.

Zu Anfang wird erst mal der Arbeitsbereich vorbereitet, das heißt, der Schreibtisch oder Arbeitstisch wird gereinigt, das Werkzeug wird bereitgelegt, eine Schale für die Einzelteile steht bereit und mein Pillendöslein für die kleinen Schrauben nebst Notizzettel steht daneben. Die Finger werden nochmals gewaschen und auf gehts:

Ich fange mal auf der Zifferblattseite an und entferne die Lünette:


Die Zeiger hebele ich vorsichtig mit einer spitzen Pinzette ab. Idealerweise hat man hierfür ein Zeigerwerkzeug. Wenn nicht, muß man sehr vorsichtig sein und aufpassen, damit man keinen zu großen Druck aufs Zifferblatt ausübt, das soll ja keine Haarrisse dadurch bekommen!


Die Uhr wird gewendet und liegt nun sicher auf einem Schaumstoff-Puffer. Der hintere Staubdeckel wird hier abgeschraubt (nicht aufgeklappt), denn es ist ein amerikanisches Keystone-Gehäuse. Hier sollte man auch wissen, daß bei amerikanischen Taschenuhr-Gehäusen die Krone samt Aufzugswelle im Gehäuse verbleibt!


Damit uns beim Auseinanderbauen des Werks später nicht die Aufzugsfeder um die Ohren fliegt und mit ihrer Restkraft sogar andere Bauteile beschädigt, wird zunächst die Aufzugsfeder entspannt. Hierzu greift man die Krone fest mit den Fingern und dreht sie ein wenig in Aufzugsrichtung. Im Werk sieht man, daß die Sperrklinke etwas vom Sperrad mitgenommen wird und nun leicht mit einem Putzholz ganz beiseite gedrückt werden kann. Nun entspannt man vorsichtig die Finger, die die Krone halten, und läßt die Krone langsam durch die Finger gleiten.


Nun können wir uns dem Werk richtig zuwenden. Damit beim Ausbau des Werks aus dem Gehäuse nichts mit der empfindlichen Unruh passiert, wird diese als erstes aus dem Werk geborgen. Hierzu entfernt man die Befestigungsschraube des Unruhklobens...


... bevor man mit zwei Pinzetten vorsichtig den Unruhkloben samt Unruh aus dem Werk holt. Hier ist höchste Vorsicht geboten, denn die Unruh verhakt sich gerne im Werk. Wer den Kloben hier zu voreilig hochzieht, zieht die Unruhspirale auf ihre volle Länge und macht sie damit unbauchbar. Also den Kloben minimal anheben, mit der anderen Pinzette den Unruhreif greifen und aus dem Werk lösen. Erst wenn der Unruhreif aus dem Werk draußen ist, kann der Reif losgelassen werden und alles vorsichtig beiseite gelegt werden, d.h. Kloben samt Unruh so, daß der Kloben unten liegt anstatt mit seinem Gewicht auf den dünnen Unruhzapfen zu drücken.


Nun ist das Werk "gesichert" und kann aus dem Gehäuse entfernt werden:


Die beiden Werkshalteschrauben werden entfernt (und sicher in der Pillendose in ein freies Fach einsortiert) und die Krone wird herausgezogen, damit sich das Werk nicht an der Aufzugswelle noch festhält.


Und schon liegt das Werk offen auf dem Schaumstoff-Puffer. Hier sieht man auch den kleinen Werksschutz- Ring, der noch um das Werk reicht.


Diesen kann man mit einem Schraubendreher leicht abhebeln:


Als nächstes nehme ich mit die Räderwerksbrücke vor, die mit zwei Schrauben festgehalten wird.


Hier sieht man schön das Räderwerk, mittig das Minutenrad, dann links davon das Kleinbodenrad, darunter das Sekundenrad und rechts darunter das dunklere Gangrad bzw. Ankerrad.


Das Sekundenrad muß vorsichtig herausgezogen werden, denn wir wollen nicht den langen Zapfen der Sekundenzeigerwelle abbrechen. Auch das Gangrad läßt sich leicht herausnehmen. Das Kleinbodenrad allerdings hängt noch fest. Machen wir also mit der Ankerbrücke weiter. Diese wird mit zwei kleinen Schräublein gehalten.


Weiter gehts mit dem Kronrad. Hier muß man aufpassen, denn die Schrauben im Kron- und Sperrad haben ein Links-Gewinde, also andersrum! Man muß also entgegen der gewohnten Richtung die Schraube lösen. Das Kronrad läßt sich dann abnehmen.


Ebenso entfernen wir das Sperrad.


Nun gehts an die Federhausbrücke (auch Aufzugsbrücke genannt). Diese wird mit drei Schrauben gehalten, die alle entfernt und sicher beiseite gelegt werden. Dann kann man mit einem Schraubendreher die Brücke vorsichtig lösen. Brücken und Kloben bieten hierzu übrigens meistens Hebelpunkte an, in die man mit einem Schraubendreher hineingreifen kann, wie hier links vom Schraubendreher:


Unter der Fedhausbrücke sieht man das Federhaus, aber auch das Aufzugsrohr, in das die Aufzugswelle vom Gehäuse greift. Links unterhalb dieses Röhrchens ist der Winkelheber, der für die Umstellung Aufzug und Zeigerstellen zuständig ist.


Das Federhaus wird herausgenommen, ebenso das Aufzugsrohr, von dem die kleinen Triebe abgezogen werden.


Auch das Kleinbodenrad können wir nun leicht aus dem Werk herausnehmen. Nun wird das Werk gewendet. Seitlich in der Platine finden sich kleine Schrauben, drei an der Zahl, welche die Füße des Zifferblatts halten. Diese werden gelöst, dürfen aber in der Platine verbleiben. Dann kann das Zifferblatt abgenommen werden:


Das Stundenrohr und das Übertragungsrad werden entnommen, auch das kleine Abstandsplättchen, das hier noch mittig an der Zifferblattunterseite liegt. Dann wird das Minutenrohr von der Minutenradwelle abgezogen. Manchmal sitzt das Minutenrohr sehr fest auf der Welle, Tips zum Abziehen gibts z.B. hier!. Damit löst sich auch das Minutenrad auf der anderen Seite der Platine:


Nun nehme ich mit noch einige Teile vor, die sich weiter auseinanderbauen lassen, wie den Unruhkloben, an dem noch immer die Unruh an der Spirale hängt. Das Spiralklötzchen ist hier festgeschraubt, die kleine Schraube wird gelöst und man kann den Kloben von der Unruh trennen. So läuft man nicht Gefahr, daß sich die Spirale zu sehr auseinanderzieht.


Auch das Federhaus nehme ich auseinander, das Deckplättchen läßt sich mit einem Schraubendreher abhebeln, der Federkern herausnehmen. Die Feder läßt man sich vorsichtig in die Hand gleiten.


Nun haben wir die Uhr weit genug auseinander gebaut, es kann zur Reinigung gehen:


Ich hole also mein preiswertes Ultraschallbad heraus, in das die beiden Gläser mit Reinigungsflüssigkeit und Spüllösung gestellt werden. Dazu kommt noch heißes Wasser zwischen die Gläser, damit die Ultraschallwellen auch zu den beiden Gläsern durchkommen können. Auch liegt rechts ein Trockentuch (doppeltes Haushaltstuch) bereit.


Alle Teile werden nun in die Reinigungsflüssigkeit getaucht, verbleiben dort etwas und werden dann in der Spüllösung vom Reiniger befreit. Bei Zifferblättern muß man aufpassen, denn abgeplatze Stellen können sich darin sehr schnell vergrößern! Also nur unbeschädigte Zifferblätter da rein. Aber die Leistung dieses Ultraschallbades reicht eh nicht an die Leistung eines professionellen Ultraschall-Reinigungsgerätes heran. Ansonsten kann man das Zifferblatt auch mit einem Vibrationsbad oder einfach mit einem feuchten Tuch mit etwas Spüli säubern.


Die ganzen Teilchen müssen nun schön trocknen, da ich sie nur lufttrocknen kann, hab ich ca. zwei Stündchen gewartet und anschließend nochmals kontrolliert. Wenn wirklich alles trocken ist, dann kann der Zusammenbau beginnen. Ich fange mal mit dem Federhaus an. Wie rum kam denn nun die Feder ins Federhaus? An der Innenwand des Federhauses sieht man eine Art Kante, in die das Endstück der Aufzugsfeder greifen kann. Somit ist die Richtung klar und ich winde die Feder per Hand nach und nach ein.


Dann kommt noch ein Tropfen Großuhrenöl dazu, die Feder soll ja auch schön geschmeidig bleiben. Auch die Unruh wird wieder zusammengebaut, das Spiralklötzchen kommt in die entsprechende Aussparung am Kloben und wird festgeschraubt.


Dann wird die Platine auf einen Puffer gelegt und Stück für Stück montiert. Ich fange mal mit dem Minutenrad an, die Welle wird ganz leicht (so eben nur) geölt und durch das Lager geschoben, das Viertelrohr kommt von der anderen Seite darauf. Dann werden auf das Aufzugsrohr die beiden Triebe aufgeschoben und das Rohr platziert. Auch kann das Federhaus schon an seinen Platz. Dem Aufzugsrohr habe ich bereits ein kleines Tröpfchen Öl gegönnt.


Die Federhausbrücke wird platziert und festgeschraubt.


Auch Kron- und Sperrad können nun wieder befestigt werden. Auch hier habe ich ganz wenig Öl auf die Reibeflächen getan, damit später alles schön leicht läuft.


Dann kommt das Kleinbodenrad. Da es sich aber leider so nicht einsetzen ließ, mußte ich nochmals die Schrauben der Federhausbrücke etwas lösen.


Nun kommt der Anker samt Ankerbrücke an seinen Platz. Hier muß man darauf achten, daß man beim Festschrauben den Anker richtig platziert hat, sonst drückt man die feinen Zapfen kaputt. Die Ankerpaletten wurden vor dem Platzieren geölt, nicht aber das Ankerlager!


Nun wirds frickelig. Das restlichte Räderwerk wird an seinen Platz gesetzt, die Brücke wartet bereits. An dieser Stelle muß ich hinzufügen, daß ich schon hier jeweils vor dem Setzen eines Rades das Lager geölt und mit den Zapfen dann ins Lager hineingestoßen habe - denn viele der Steinlager haben zusätzliche Decksteine, die ich während der Reinigung an Ort und Stelle belassen habe. Das ist nicht ganz richtig so, aber die Uhr hab ich ja auch nur für mich gereinigt.


Hier ist es schwierig, die ganzen Zapfen in ihre Lager zu bugsieren, an das Kleinbodenrad kommt man leider nur schlecht ran, dann ist das Gangrad wieder schief, sobald das richtig ist, stellt sich das Sekundenrad quer... aber irgendwann hat man alles an Ort und Stelle. Wenn man leicht am Minutenrad drückt, sieht man die Kraftübertragung bis zum Anker, der das dann blockiert.


Nun wird das Werk gewendet, wir setzen dort die beiden Rädchen (Stundenrohr und Übertragungsrad) an ihren Platz, dann das kleine Abstandsplättchen:


Das Zifferblatt kommt drauf und wird mit den drei Schräubchen seitlich befestigt.


Die Unruh wird mal kurz eingesetzt, wir wollen ja wissen, ob die Uhr auch läuft! Am Minutenrad drücke ich etwas, die Unruh schwingt an, also siehts gut aus:


Die Unruh wird wieder entfernt, der Werksschutzring wird aufgezogen und das Gehäuse kommt dazu:


Dann wird die Unruh wieder vorsichtig eingesetzt, beim Festschrauben des Klobens unbedingt darauf achten, daß die Unruh richtig sitzt - also immer wieder mal anstupsen und sich drehen lassen. Wir wollen ja nun kurz vor Ende nicht noch die feinen Zapfen der Unruhwelle beim Befestigen plattdrücken! Dann kommen die Zeiger drauf, damit alles paßt, werden sie auf 12 Uhr übereinander gesetzt, der Sekundenzeiger ebenfalls auf 0 Sekunden.



Dann fehlt natürlich das erste richtige Aufziehen der Uhr, die Zeit wird richtig eingestellt. Nochmals ans Ohr gehalten und sie tickt wieder schön kraftvoll.

Das wars also, die Uhr läuft, es blieb keine Schraube übrig und wie es aussieht, läuft die Uhr auch sehr genau.


Hierzu kamen von Uhrmachern aus dem Taschenuhr-Forum noch einige Hinweise, was ich denn hätte besser machen können, bzw. wie man generell vorgeht: