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Die Reinigung einer Taschenuhr


Für die Reinigung einer Taschenuhr (oder Uhr allgemein) muß die Uhr immer zerlegt sein. Falls wer auf die Idee kommen sollte, ein komplettes Werk ins Reinigungsbad tauchen zu wollen, wird schließlich mit sich festsetzender Feuchtigkeit kämpfen, von eventuellen Oxidationen ganz zu schweigen. Zumindest wird der Wert seiner Uhr schlagartig sinken (wenn wir uns verstehen). Als Reinigungsflüssigkeit empfehle ich die auf wasserfreier Basis, bei Selva gibts zum Beispiel "Platina wf 1" als Reiniger und als passende Spüllösung "Platina wf 2". Reiniger und Spüllösung müssen auf jeden Fall zueinander passen. Wer sich nicht solche Kanister holen will und auf Hausmittel zurückgreift (Spüli), sollte wenigstens mit destilliertem Wasser nachspülen und die Teile bloß gut trocken lassen. Empfehlen kann ich dieses nicht, ich habe (wohl wegen unzureichender Trocknungszeit und keinem Nachspülen) schon so manche Uhr geschrottet!

Aber gehen wir mal von einer Reinigungsflüssigkeit und einer Spüllösung aus, die für Uhren geeignet ist. Die habe ich in handliche Einweggläser umgefüllt, damit ich nicht immer an die Kanister muß (die tropfen ganz gut und das Zeugs stinkt!). Und ich habe noch so ein Vibrationsbad, eigentlich für Brillen und Schmuck gedacht. Die einzelnen Uhrenteilchen werden zwar in den Bädern geschwenkt, aber die Vibration unterstützen das doch enorm.

Allerdings... Falls man darin ein bereits beschädigtes Emaille-Zifferblatt reinigen will, die Vibrationen reichen dann schon aus, um die Beschädigungen sogar zu verschlimmern. Bei Haarrissen ist das allerdings kein Problem. Ultaschall-Reinigungsgeräte werden von Uhrmachern gerne benutzt, die wissen aber auch, daß manch Bauteil da nicht reingehört.


Die Reinigungskörbe des Vibrationsgerätes nehme ich heraus, stattdessen kommen die beiden Einweggläser da nebeneinander rein. Man könnte auch die Flüssigkeiten direkt (nacheinander) in die Wanne des Geräts schütten, aber das gibt erfahrungsgemäß immer eine kleine Sauerei.


Mit einer Plastikzange nehme ich nun die Teile nach und nach auf und schwenke sie einige Sekunden (mehr als 10 Sekunden sollten das schon sein) zuerst im Reiniger (links), dann leicht abschütteln und in der Spüllösung rechts (wieder einige Sekunden) schwenken. Danach kommen sie bei mir auf ein Stück Küchenpapier zum Trocknen. Es gibt garantiert bessere Unterlagen dafür, aber Küchenpapier fusselt kaum, saugt gut die restliche Flüssigkeit auf und ist zudem billig.

Bei der Unruh sollte man natürlich vorsichtiger sein und beim Schwenken die Spirale beobachten. Wir wollen sie ja dadurch nicht verbiegen! Wenn man den Unruhkloben zum Trocknen ablegen will, sollte man darauf achten, daß der Zapfen der Unruhwelle nicht gleichs ins Lager rutscht. Ich hänge den Unruhreif gerne dafür an die Nasen an der Unterseite des Unruhklobens (wo auch das Schraubenloch ist). So kann das Lager besser trocknen. Bei den Reinigern auf Wasserbasis kann ein feuchtes Lager den Unruhzapfen oxidieren lassen!


Falls wem das Stückchen Papier zwischen den Gläsern aufgefallen ist, da ist nur da, damit das Glas aufgrund der Vibrationen nicht so aneinanderschlägt und klirrt. Im folgenden Bild sieht man auch noch mein Schälchen mit den noch zu reinigenden Uhrenteilchen. Das Gehäuse kam am Schluß dran.


Irgendwann hat man dann die Werksteile alle durch, auch das Gehäuse wurde gereinigt:


Als nächstes steht noch die Aufarbeitung des Gehäuses und des Zifferblattes an. Ich habe da so ein Schleif- und Gravurset, bestehend aus einem Art Handbohrer mit langer flexibler Welle und weiterem Griffstück. Darauf habe ich so einen der Filz-Nubsis (diese kleinen runden Filz-Dinger) befestigt. Damit habe ich dann zuerst die Rückseite des Gehäuses bearbeitet und auch die rotvergoldung am Rand wieder spiegelblank bekommen. Einige hartnäckige grüne Rückstände (siehe dieses Vorher-Bild) mußte ich gar mit dem Fingernagel abkratzen.


Dann kam die Vorderseite (die Lünette) dran. Ich habe zum besseren Vergleich erst mal nur die rechte Seite poliert (von rechts oben bis zum Scharnierbeginn). Man sieht sehr gut den Vorher-Nachher-Unterschied:


Auch der Gehäuserand kam noch mal dran, und fertig war das wieder strahlende Gehäuse:


Beim Zifferblatt war bei 2 Uhr eine Beschädigung, die Zahl selbst war nicht mehr zu lesen. Ich habe hier mit Tusche die Zahl provisorisch nachgemalt. Gut, das hätte man besser machen können, ich gebs zu. Die kleine Macke zwischen 7 und 8 Uhr habe ich so belassen.


Das war schon die Reinigung. Jetzt muß nur noch alles wieder zusammengebaut werden.